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Die beste Fahrtechnik für sicheren Spaß am Singletrail

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Singletrails lassen Bikerherzen höher schlagen und werden immer beliebter. Auf den schmalen Pfaden (vorzugsweise) ins Tal gleiten und dabei mit viel Fahrgeschick Hindernisse überwinden – das ist einfach Spaß pur. Auch die Umgebung von Ramsau am Dachstein bietet diese besondere Art des Bike-Vergnügens. Weil man aber anders als bei breiten Wald- und Alpautobahnen auf dem schlanken Pfad seine Ideallinie finden muss, braucht es die richtige Technik, um nicht vom Weg abzukommen. Wir haben alle wichtigen Tipps für den flowigen Ritt über den Singletrail zusammengestellt. 

 

Die alte Streitfrage zuerst: Hardtail oder Fully?

Die Frage nach dem richtigen Rad für den Singletrail kennt keine eindeutige Antwort. Klar ist: Während der Hardtail-Fahrer Schläge früher und deutlicher spürt, verzeiht ein Fully wesentlich mehr und bietet somit einen höheren Komfort sowie mehr Sicherheit. Wird der Trail technisch anspruchsvoll und verblockt, erlaubt das Fully zudem mehr Geschwindigkeit. Andererseits ist ein Hardtail ideal, um die eigene Fahrtechnik zu schärfen, weil präziser gefahren werden muss. Zudem wiegen Hardtails in der gleichen Preisklasse meist etwas weniger als ihre vollgefederten Pendants, was sich insbesondere bei flacheren Trails und natürlich im Aufstieg bemerkbar macht. Letztendlich existiert somit kein pauschal richtiges Bike. Hardtail oder Fully können sich gleichermaßen für spaßige Singletrail-Ausflüge eignen. Entscheidend ist vielmehr, die Wahl des Bikes auf die Fahrtechnik des Bikers und die Beschaffenheit der Trails unten den Stollen abzustimmen.

 

Nicht ohne meine Kontrolle – ein kurzer Check für längere Trail-Abenteuer

Nichts kann einem die Tour so vermasseln wie ein platter Reifen oder ein gerissener Schaltzug von defekten Bremsen. Um diese Erfahrungen zu vermeiden, heißt es vor dem Ritt über den Singletrail die Hardware zu checken. Zu achten ist dabei auf folgende Dinge:

 

  • Ansprechen der Vorder- und Hinterradbremse bei leichtem Zug an dem Bremshebeln
  • Nicht zu stark abgenutzte Bremsbeläge
  • Gleichmäßiges Laufen der Räder (durch leichtes Andrehen festzustellen)
  • Keine spröden Stellen, Risse oder Löcher in den Reifen
  • Ausreichend Profil und Luftdruck auf den Reifen
  • Saubere und intakte Kette, Kettenblätter und Ritzel
  • Leichtgängige und exakte Schaltung
  • Fester Sitz von Lenker und Vorbau
  • Spielfreie, leichtgängige Lager
  • Mit dem korrekten Drehmoment angezogene Schrauben (Angaben des Herstellers beachten)

Achtung bitte!

Um den Singletrail sicher und mit Freude zu befahren, ist neben dem genauen Pre-Trail-Check des Bikes vorausschauendes Fahren angesagt. Der Blick des Fahrers sollte nicht unmittelbar vor das eigene Vorderrad, sondern einige Meter weiter nach vorn und auf die folgenden Herausforderungen gerichtet sein. Auf diese Weise ist rechtzeitiges Reagieren möglich, sobald sich das Gelände verändert. Unabdingbar ist zudem scharfe Konzentration – ganz besonders, wenn der schmale Trail ganz verspielt am Abgrund entlangfließt.

 

Zwei Schwierigkeiten auf einmal – Stark abfallende Singletrails

Den richtigen Spaßfaktor bescheinigen viele Biker einem Singletrail erst, wenn er sich ins Tal windet. Was gilt es dabei außer dem dringend erforderlichen Weitblick zu beachten?

 

  • Im Sitzen zu fahren ist nur bei leichten Singletrails eine Option. Für mittlere bis schwere Trails bietet sich dies nicht an, weil die Körperhaltung zu statisch ist und das Rad nicht agil genug bewegt werden kann.
  • Für eine bessere Kontrolle und Lenkbarkeit des Bikes heißt es, zentral auf dem Rad zu stehen und das Gewicht bei kurzen, steilen Stufen und kleinen Absätzen nach hinten zu verlagern. Um noch mehr Bewegungsfreiheit zu erlangen, kann bergab noch der Sattel abgesenkt werden. Viele moderne Bikes bieten dazu eine vom Lenker aus bedienbare Vario-Sattelstütze, die den Griff zum Schnellspanner am Sattelrohr überflüssig macht.
  • Sind die Pedalen und die Kurbel waagerecht ausgerichtet, sorgt das für eine bessere Balance auf dem Bike. Welches Pedal dabei vorne steht, ist einzig und allein der individuellen Vorliebe überlassen.
  • Flowig, steinig, wurzelig, verblockt – Arm- und Beinhaltung sollten sich unmittelbar an wechselnde Untergründe anpassen und Stöße des Geländes abfedern können. Das ist am besten möglich, wenn der Biker mit leicht gebeugten Gliedmaßen auf dem Rad steht. Körperspannung – allerdings ohne zu verkrampfen – ist Trumpf, um das Rad voll unter Kontrolle zu behalten.

Wer richtig bremst, gewinnt!

Um in jeder Situation sofort bremsen und die Bremskraft den Streckenanforderungen zumessen zu können, ist das Fahren des Trails mit den Fingern an den Bremshebeln notwendig. Diese sollten auf die Handgröße- und Kraft des Fahrers eingestellt sein. Im Idealfall liegen die Bremsfinger am Hebelende der Vorder- und der Hinterradbremse an. Am Ende der Bremshebel hat man die beste Hebelwirkung und braucht am wenigsten Kraft für den wohldosierten Bremsvorgang. Die Bremskraft moderner Scheibenbremsen reicht aus, um die Bremsen jeweils mit dem Zeigefinger zu bedienen. Das erfordert etwas Übung, verteilt die Haltearbeit am Lenker aber auf mehr Finger. Somit ermüden Hände und Arme weniger und auch in anspruchsvollen Passagen bleibt der Lenker fest im Griff.  Dagegen kann ein Bremsen mit zwei Fingern pro Bremse oder gar der ganzen Hand schnell zu viel sein. Das feinfühlige Bedienen der Bremsen ist entscheidend, damit zu starkes Bremsen und damit ein Blockieren des Vorderrades oder ein Ausbrechen des Hinterrades vermieden werden.

 

Die richtige Bremse zum richtigen Zeitpunkt zu bedienen, ist auf dem Singletrail ebenso essentiell wie ihr möglichst sensibler Einsatz. Auch beim Bremsen hilft eine zentrale Position auf dem Bike dabei, die Bremskraft optimal auf den Trail zu übertragen. Da die Vorderradbremse stärker wirkt, sollte diese besonders gefühlvoll bedient werden, um eine zu starke Entlastung des Hinterrads zu verhindern. Dies gilt insbesondere bei Bergabfahrten. Egal ob Vorder- oder Hinterradbremse, ein blockieren beider Räder sollte weitestgehend vermieden werden. Grund ist, dass sich ein rollendes Bike im Zweifelsfall leichter kontrollieren lässt als ein rutschendes. Um ihr Gefährt trotz Bremseinsatz lenkbar zu halten, bremsen erfahrene Biker vor einer Kurve anstatt in dieser. So kann die Biegung mit bereits verringerter Geschwindigkeit und vollem Fokus auf Körperhaltung und Linienwahl durchfahren werden, anstatt zusätzlich noch mit der Verzögerung beschäftigt zu sein. Zudem bremst es sich auf einem geradeaus fahrenden Rad deutlich leichter, als dies bei einem bereits in die Kurve geneigtem Bike der Fall ist.

 

Auch das Kurven von Kurven will gelernt sein

Auf dem Singletrail gilt ebenso wie bei allen anderen Wegen, dass man die Kurve kriegen sollte. Die besten Möglichkeiten, dies zu gewährleisten sind:

 

  • Wie erwähnt den Bremsvorgang am Kurveneingang bereits abgeschlossen zu haben, was durch vorausschauendes Fahren möglich wird.
  • Um große Lenkeinschläge zu vermeiden, gilt es, das Bike bei der Kurvenfahrt in eine zur Kurve geneigte Schräglage zu drücken.
  • Den Impuls für die Schräglage muss die kurveninnere Hand geben. Während das kurvenäußere Pedal ganz unten, also im tiefsten Punkt der Kurbelumdrehung, stehen und die Hüfte leicht einknicken sollte, darf das kurvenäußere Knie mit dem Bike auf Rahmenfühlung gehen und so für mehr Stabilität sorgen.
  • Von Vorteil ist es, wenn der Blick zu Beginn auf den Kurveneinstieg und beim Durchgleiten der Kurve auf den Kurvenausgang gerichtet ist.
  • Spitzkehren sollten Biker mit stark reduziertem Tempo anfahren. Nach dem Lösen der Bremsen muss – je nach Winkel der Kehre – wieder kurz in die Pedalen getreten werden, um erneut Geschwindigkeit aufzubauen.

Einige besondere Singletrail-Herausforderungen

Wurzeln, Steine, Steilstellen und das alles auf einem Pfad, der oft nur handtuchbreit vor dem Vorderrad kurvt. Da braucht es die richtige Technik, um nicht nur eine Garantie auf Spaß und Action, sondern auch auf Sicherheit zu haben.

 

Wurzeln

Das Überfahren von Wurzeln in Längsrichtung ist eher zu vermeiden. Es ist besser, die Reifen im 90 Grad Winkel über die im Boden verankerten Hindernisse rollen zu lassen. Dabei sollten die Arme und Beine leicht einfedern, um die Belastung nicht allein von den Reifen und dem Fahrwerk übernehmen zu lassen. Die Bremshebel sind während der Wurzelüberquerung nicht zu ziehen. Gilt es, größere Wurzeln zu überwinden, kann das Vorderrad durch leichten Zug am Lenker entlastet oder sogar angehoben werden. Für Könner ist auch ein kleiner Sprung, bei dem das ganze Rad durch Zug an Lenker und Pedalen in die Luft bewegt wird, ein gang- bzw. fahrbarer Weg. Ein solcher „Bunnyhop“ erfordert allerdings viel Übung und sollte nicht auf dem Trail, sondern zunächst auf ebenem Untergrund geübt werden.

 

Steine

Bei einem steinigen und nicht zu steil abfallenden Singletrail sollte man versuchen, während des Pedalierens im Stehen mit den Knien zu balancieren und somit zu steuern und gleichzeitig für Vortrieb zu sorgen. Darüber hinaus ist es wichtig, in den Armen geschmeidig zu bleiben, um, wenn man gegen und über einen Stein fährt, den Schlag durch das Beugen der Arme abfedern zu können.

 

Steilstellen

Bei Steilstellen bergab ist es besonders wichtig, dass man den Körperschwerpunkt nach hinten bewegt. Für ausreichende Führung auf dem Vorderrad sollten die Arme allerdings nicht komplett durchgestreckt werden. Beide Bremsen sind dabei so dosiert zu nutzen, dass ein Blockieren der Räder vermieden wird. Bei steilen Bergauf-Passagen sollte der Körperschwerpunkt – während man auf dem Sattel Richtung Spitze rückt – nach vorne und nach unten bewegt werden. Bei einem leichten Gang gilt es zu versuchen, möglichst gleichmäßig zu treten.

 

Jedem, der diese Tipps beherzigt, winkt sicherer Trail-Spaß. Und das Biker-Lächeln wird in jedem Fall breiter sein als der Trail.

 

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